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Jürgen Koppelin PERSÖNLICH - Übersicht

Der Deutschlandfunk berichtet über die Wasserwerker

Im Rahmen der Sendung "Querköpfe" berichtete der Deutschlandfunk über das Kabarett "Die Wasserwerker" in dem auch Jürgen Koppelin mitwirkte.
Die Wasserwerker traten im Jahre 2008 ein letztes Mal in der Landesvertretung Schleswig-Holstein auf und konnte an die alten Erfolge mit einem begeisterten Publikum anknüpfen.




Hören Sie sich hier den Mitschnitt des Berichtes ''Wir waren die Wasserwerker'' Der Bundestag und sein Kabarett an.



Einladung zu der letzten Vorstellung der Wasserwerker
Einladung zu der letzten Vorstellung der Wasserwerker
Manuskript zum Mitschnitt:

„Wir waren die Wasserwerker“
Der Bundestag und sein Kabarett

Von Thomas Klug und Tim Lang

Autor 1:
Die Politik ist Dauergast auf den Kabarettbühnen des Landes. Politiker weniger. Es gab Zeiten, da hat die Politik zurückgeschlagen, nicht durch Verbotsdrohungen, sondern durch eigenes Kabarett. „Die Wasserwerker“ hieß das Unternehmen.

Video:    Lied: „Wir sind die Wasserwerker“  (2'25 – 3'05)

Autor 2:
Die Wasserwerker -  Bundestagsabgeordnete, die ihren Alltag kritisch und kabaretttauglich beleuchten. Überparteilich und interfraktionell. Die Wasserwerker hatten ihre große Zeit in Bonn, entsprechend haben sie sich nach jenem Ort benannt, der dem Parlament  Ausweichquartier war.

Sp. v.D:      Wir waren die Wasserwerker
        Der Bundestag und sein Kabarett
        Von Thomas Klug und Tim Lang

Autor 1 und 2:  (im Wechsel schnell gesprochen)
Das Foyer des Funkhauses am Abend. Jürgen Koppelin von der FDP ist zuerst da. Groß, schlank, blonde Haare,  sonore Stimme, Anzug. Es ist kurz vor 6 Uhr. Eckhardt Kuhlwein kommt dazu. SPD. Etwas kleiner, etwas runder. Er trägt ein Jeanshemd. Die Liedtexte hat er in einer Mappe unter dem Arm. Sie begrüßen sich. Koppelin geht auf und ab. Er sagt, er müsse noch zu Friedman. Kuhlwein schiebt die Mappe mit den Texten unter die Achsel und guckt auf die Uhr. Immer noch kurz vor 6. Wie lange wir brauchen fragt Koppelin und läuft zum Fenster. Kuhlwein will erzählen wie alles angefangen hat, aber es ist noch gar kein Mikrophon an. Koppelin sagt er müsse zu Friedmann. Kuhlwein nickt und sagt, na dann fangen wir gleich an. Jella Teuchner kommt. Auch SPD. Ein beigefarbenes Mäntelchen, Brille und Rollkoffer hinter sich, wie einen Hund. Sie ist außer Atem. Kuhlwein fragt, ob sie noch weg müsse. Teuchner sagt zum Flughafen. Koppelin steht am Fenster und sagt, er müsse noch zu Friedman. Eine Minute vor 6. Na gut, dann rauchen wir noch eine Zigarette, sagt Kuhlwein. Sie gehen vor die Tür. Koppelin bleibt im Foyer. Er sagt nichts, aber er denkt wahrscheinlich, dass er gleich zu Friedmann muss. Ulrike Höfken von den Bündnis-Grünen kommt dazu. Lange braune Haare, braune Augen, schmal gebaut. Die Zigaretten werden ausgedrückt. Es ist 6 Uhr. Kuhlwein schaut auf die Uhr, wie ein Klassensprecher, der seine Herde zusammenhält. Einer fehlt noch. Sie gehen ins Foyer, das Koppelin gerade mit großen Schritten durchschreitet. Höfken schaut ihn an. Kuhlwein  sagt: Er muss noch zu Friedman. Es ist kurz nach 6. Gut, dann fangen wir eben schon mal an, sagt Koppelin und will zum Aufzug. Aber dann steht Dr. Reinhold Hemker, SPD, beim Pförtner. Mit Gitarre. Gelockte Haare,  die oberen Knöpfe des Hemdes offen. Du hast deine Gitarre dabei, sagt Kuhlwein, das ist gut. Hemker will sie auspacken. Koppelin sagt, lass uns anfangen und geht zum Aufzug. Hat er es eilig, fragt Hemker. Kuhlwein nickt. Na dann gehen wir, sagt   Kuhlwein und geht zum Aufzug. Die Damen nicken, reden weiter und gehen auch zum Aufzug.  Hemker erzählt noch irgendwas vom Tag. Aber da fährt der Aufzug schon. Und die Geschichte der Bonner Wasserwerker wird in Berlin erzählt.
               
Video:  Lied:  Du musst alles vergessen, wo du einst vergessen, Amigo. Über den            Umzug(1:20:00 – 1:23:00)

Autor:
Eckhart Kuhlwein ist Gründungsmitglied der Wasserwerker:

1'07'00  Kuhlwein
Die Geschichte geht darauf zurück, dass Gerlinde Hämmerle, später Regierungspräsidentin in Karlsruhe und Manfred Richter, später Oberbürgermeister in Bremverhaven, dass die beide im Ältestenrat saßen als parlamentarische Geschäftsführer. Und Rita Süssmuth wollte im Ältestenrat mal besprechen, wie die Feierlichkeiten beim Umzug vom Wasserwerk in den neuen Plenarsaal gestaltet werden könnten und sagte dann wohl, so wurde berichtet, können Abgeordnete nicht auch mal was mit Kultur machen. Richter kannte Koppelin, hatte schon ein Kabarett gehabt in Bremverhaven, das auch ganz gut spielte, ich hatte Erfahrung mit vorher mit Gerlinde Hämmerle, das man das eigentlich nur noch mit Humor ertragen könnte, ihr erzählt, dass ich auch Kabarett spiele. Da haben die beiden spontan gesagt, dass kriegen wir hin.

VHS Lied Neue Adler braucht das Land  19 - 20'45

1'08'50  Ku
Wir wollten im Wasserwerk spielen, 18 Uhr sollte da Sitzung zu Ende sein. Und dann wäre der Plenarsaal entweiht gewesen. Hat aber dann die CDU/CSU-Fraktion, Schäuble war wohl maßgebend, gesagt, dass ginge nicht, wir würden den Adler entweihen, der da noch hing. Wir hatten auch ein Kabarettprogramm, das hieß „Neue Adler braucht das Land“, weil es einen Gelehrtenstreit gab um den Adler im neuen Plenarsaal. Dann sagte also CDU/CSU: Nein, das geht nicht. Dann kam die Bundestagsverwaltung auf die verwegene Idee, wir könnten doch – wir brauchten also einen Adler im Hintergrund für diese Premiere – wir könnten doch den Adler abfotografieren, vor den Originaladler eine Leinwand hängen und ihn dann da wieder dran werfen. Aber auch diese Lösung behagte der CDU/CSU-Fraktion nicht, so dass sie... Dann haben sie uns ihren Fraktionssaal angeboten. Dann haben wir zweimal den Abend spielen müssen, um 20 Uhr waren 500 Leute da in den Saal. Und um 23 Uhr kamen dann noch mal 300. Es war also einen Riesenerfolg, wir waren bestens eingeführt daraufhin.

Autor 1 und 2:
Die fünf Wasserwerker sitzen um den Studiotisch verteilt. Erst spricht Eckhart Kuhlwein.  Reinhold Hemker brummt dazwischen. Dann redet Jürgen Koppelin. Kuhlwein raschelt mit seinen Liedtexten. Hemker brummt. Ulrike Höfken lacht. Und Jella Teuchner muss erst einmal raus. Ganz normal, so liefen die Proben auch immer ab, erzählt Eckhart Kuhlwein. Wir haben jetzt nur fünf Wasserwerker zu Gast. Das Ensemble hatte ein gutes Dutzend Mitglieder. Welche Abgeordnete kommen schon auf die Idee, selbst Kabarett zu machen?

6'10
Eckkardt Kuhlwein, seit zehn Jahren nicht mehr im Bundestag, aber Gründungsmitglied der Wasserwerker und heute als Pensionär bei den Naturfreunden aktiv und mache auch noch einiges für die SPD auf Bundesebene.
7'35
Ich bin Ulrike Höfken von den Grünen und jetzt Ausschussvorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und ich weiß gar nicht mehr genau, seit wann ich bei den Wasserwerkern oder wie lange war.
8'28
Durch Sie habe ich etwas gelernt: Es gibt in Deutschland einen Verband der Ziegenzüchter, deren Vorsitzende Sie sind.
Ich bin in lauter solchen interessanten Vereinen, die ich aber echt für wichtig halte. Ich bin Bundesvorsitzende des Ziegenzuchtverbandes, d.h. die amtlich bestellte Oberziege der Nation, da bin ich stolz drauf.
8'58
Züchten Sie jetzt selber Ziegen?
Jaja, das habe ich tatsächlich mal gemacht. Auch Schweine und ich bin ja Agraringenieurin von Beruf, habe lange Landwirtschaft gemacht und einen Bauernhof. Also, das ist schon real. Und ich kümmere mich ganz ernsthaft um diese vierbeinigen, kleinen Wiederkäuer,  übrigens eine sehr effektive und klimaschonende Art der Fleisch- und Milchproduktion.
10'11
Jella Teuchner, komme aus Passau, bin seit 1994 im Bundestag, also nicht eine der Gründungsmitglieder der Wasserwerker, sondern erst später dazu gekommen. Hing damit zusammen, dass ich im Vorfeld meiner bundespolitischen Aufgaben selber in Passau ein Kabarett hatte, aber wir haben uns dann selber 2000 aufgelöst, weil Passau ist doch sowieso die Kabarettstadt, wo viele große Kabarettisten herkommen, ob das jetzt Ottfried Fischer, Bruno Jonas oder sonstwer ist. Bin im Gesundheitsausschuss und bestimme jetzt so die Gesundheitspolitik mit und die Gesetze, die zum Leidweisen vieler Patientinnen und Patienten abgeschlossen werden und die in der Diskussion stehen. Von daher: Lange Arbeitstage und viel Streit und viel ärger, aber die Arbeit macht trotzdem Spaß.
11'52
Mein Name ist Jürgen Koppelin, ich komme aus Schleswig-Holstein, bin parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, seit 1990 im Bundestag. Und bevor ich in den Bundestag gekommen bin, habe ich Unterhaltungssendungen beim NDR moderiert und im Fernsehen moderiert und davor war ich mit vielen Künstlern zusammen, ich habe auch selber produziert, habe u.a. betreut den Schweizer Kabarettisten Emil, den ich gerade vor kurzen wiedergesehen habe. Ich habe für Kabarett schon immer sehr viel über, schon 50er/60er Jahre war es selbstverständlich, am Radio zu hängen und im Norden wurde das ja auch übertragen, die Insulaner zu hören. ...Und wenn man einen Schuss Humor hat, kommt man auf die Idee, du kannst vielleicht auch selber mal ein paar Texte zu schreiben...
Und dann sind Sie ins Parlament gegangen?
Ja, der Unterschied ist ja nicht allzu groß. Wissen Sie, ich habe mich schon halbtot gelacht bei bestimmten Reden, einschließlich meiner Leute...
Eher manchmal einschläfernd?
Gut, dann sehen Sie die falschen Debatten. Aber manche Regierungserklärung, die ich gehört habe ...Das Parlament kann doch auch sehr fröhlich sein. Man muss auch mal sagen, dass man untereinander, auch wenn die Lichter im Plenum dann aus sind, dass wir uns menschlich doch verhältnismäßig sehr gut verstehen, egal von welcher Fraktion und gut miteinander auskommen. Das ist der Schlagabtausch im Parlament, das gehört zu einer Demokratie dazu. Das heißt ja nicht, dass man sich im Privaten streiten muss, abends nach Feierabend.
Geht doch manchmal etwas hitzig zu. Und danach haben sich alle wieder lieb. Das ist doch schwierig?
Ach wissen Sie, das ist jetzt vielleicht schon eine Kabaretteinlage. Wir haben ja manchmal Untersuchungsausschüsse, bin ja immer voll dabei und an der Spitze damit. Wir haben in den letzten Legeslaturen Untersuchungsausschüsse gehabt, einer war ja ganz markant. Da gab es zwei Ergebnisse. Hat man einmal festgestellt, dass die Politik des ehemaligen Kanzlers Kohl käuflich war. Wir haben allerdings im gleichen Untersuchungsausschuss auch festgestellt, dass die Politik des Kanzlers Gerhard Schröder unverkäuflich war.
Ich kann da drüber lachen.

Autor:

Und Dr. Reinhold Hemker.

16'10
He Ich bin ja damals als kabarettistischer Überraschungskandidat in den Landtag gekommen, was im schwarzen Münsterland nicht geplant war 1985. Dann war alles das, was ich bis zu dem Zeitpunkt wissenschaftlich und in der Lehre gemacht hatte, nicht mehr möglich. Ich war ja damals Dozent an einem Institut. Ist das liegengeblieben. Und dann haben die mich innerhalb von ein paar Jahren wieder zu Uni geholt und dann habe ich weiter gearbeitet. Im vorigen Jahr habe ich an der philosophischen Fakultät an der Universität Münster die Disputation überstanden. Ja, das geht da noch so. Also ist das nicht ein so genannter h.c., der für besondere Reisen passiert, wie bei der Kanzlerin, sondern eine echt erarbeitete Sache. Jawohl, Kollegen.
Nicht in Köln-Nippes bekommen?
Nee, nee, nee. Also solche Orden wie in Köln Nippes habe ich natürlich woanders gekriegt.

VHS:      Koppelin führt ein, dann „Pümpelnummer“ über die eurpäische      
    (30'45 - 39'00)

Autor:
Meinungsfreudige Abgeordnete machen Kabarett. Nur sind Abgeordnete nicht nur meinungsfreudig, sondern auch unterschiedlicher Meinung. Man stelle sich vor, die SPD regiere nicht nur mit der CDU, sondern sie will mit ihr auch noch ein Kabarettprogramm aufführen. Wer könnte darunter leiden? Möglicherweise der Witz. Oder die FDP. Jürgen Koppelin, haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion will also lieber gleich der eigenen Partei den Spiegel, den satirischen vorhalten. Manche wollen ja beobachtet haben, allein die Erwähnung des Namens Westerwelle wäre ein Lacher:

19'20
Ko Damit habe ich meine Erfahrungen, ich mache ja noch ein paar Solo-Auftritte bei mir im Ort und das ist je nach Stimmungslage oder politischer Lage, das muss man sehen. Man wundert sich immer, dass plötzlich ein Gag überhaupt nicht mehr ankommt und man muss sich dann etwas neues einfallen lassen und Dinge, über die früher nicht gelacht wird, fangen an, plötzlich zu lachen. Es ist richtig, man hat einen Gag über Westerwelle gemacht, schallendes Gelächter war immer im Publikum. In letzter Zeit stelle ich fest, worüber ich selber erstaunt war, mache ich meine Gags über Westerwelle, kam nicht die entsprechende Resonanz. Und bei anderen Sachen kommt dann plötzlich die Resonanz. Man muss sich da etwas einfallen lassen, wie ist da die politische Stimmung und leider auch manchmal einen Gag rausschmeißen.
20'05
Hat der Humor, geht er drauf ein?
Westerwelle? Ja, natürlich.
Der weiß, dass ein Lacher auch Wählerstimmen bringen kann.
Er ist ja nun selber, das weiß der eine oder andere vielleicht, er hat ja auch im Karneval schon munter mitgemischt, ist ja auch im Fernsehen schon übertragen worden. Ich glaube, sein letzter Auftritt hat wohl gute Ressonanz gehabt „Wider den tierischen Ernst“, ich bin ja nicht so ein Rheinländer, der diese Karnevalssendung guckt, ich bin dann immer erschrocken, dass ich das alles nicht mitgekriegt habe im Fernsehen, was die da machen. Ich gebe allerdings zu, für seine Reden war ich dann schon mal ein bisschen behilflich, ok, die Texte.
Also ohne Sie geht es dann nicht?
Doch, aber man hilft ja gern.
He So bin ich ja in die Wasserwerker gekommen.
Durch Westerwelle?
Jaja. Weil ich versucht habe, jemanden zu kopieren und nachzumachen. Für mich war einer der größten in meiner Region, deswegen bin ich auch dagegen zu sagen, die besten Kabarettisten kommen aus Bayern, ich bin aus Nordrhein-Westfalen, und einer der für mich größten war Tegtmeier, Jürgen von Manger. Und ich habe damals, Eckkart, du erinnerst dich, als Hans-Jochen Vogel uns aufforderte, sich vorzustellen, habe ich mich als Jürgen-von-Manger-Verschnitt aus dem schwarzen Münsterland vorgestellt. Dass hatte der Eckhart gehört und kam an: Sag mal, willste nicht bei den Wasserwerkern mitmachen. Ich sage: Was ist dat denn? Wusste ich noch nicht. Und so bin ich dann dazu gekommen.

Autor 1 und 2:
Koppelin spricht. Kuhlwein wühlt in seinem Papierstoß und sucht Liedtexte. Auch Frau Höfken hat einen Textstapel vorbereitet. Politiker sind gründlich. Und vorbereitet. Hemker geht zu Kuhlwein um die Akkordfolge zu besprechen. Koppelin lässt sich nicht stören und redet weiter. Das sind sie gewohnt, die Politiker. Zwischenrufe. Irritationsattacken. Sie lassen sich nicht stören. Wenn man das Wort hat, dann muss man die Zeit nutzen. Hemker greift leise in die Saiten. Koppelin redet. Dann winkt der Techniker. Das Geraschel sei zu laut. Hemker und Kuhlwein müssen raus. Mit der Gitarre.  Sie sind froh. Jetzt können sie nochmal üben. Wir sind auch froh. Eine Horde singender Politiker im Studio zu haben ist eine Aufgabe. Und  es ist amüsant.

25'07
Ko Es gibt natürlich auch bei den eigenen Leuten Schadenfreude, d.h., die klatschen vielleicht nicht, aber die kommen dann hintenrum und sagen, kannst du mir den Witz nicht noch mal erzählen, wie war denn das mit Frau Leutheusser, den du da erzählt hast. Leutheusser-Schnarrenberger ist eben kein Name, das ist eine Kurzgeschichte. Oder wenn ich früher über Burkhardt Hirsch Witze gemacht habe. Oder weil Sie nach Westerwelle gefragt haben. Da Gags zu machen, habe ich kein Problem. Aber der Gag kommt einfach im Augenblick nicht mehr an, weil sie ihn ja alle hinterherrennen von den anderen Parteien. Früher habe ich gesagt, Westerwelle: toller Typ, ein toller Mann, wenn der Freunde hätte, die könnten das bestätigen. Das ist heute natürlich anders. Heute hat er ganz viele Freunde.
Gab es solche Absprachen, wo Sie gesagt haben, man kümmert sich mehr um die eigene Partei und haut nicht auf die anderen drauf?
Ku So förmlich haben wir das nie gemacht, aber immer so im Einverständnis, jeder prügelt auf die eigenen ein.
Warum?
Ku Sonst wäre der Laden wahrscheinlich auseinander geflogen.
Ko Wobei das aus meiner Sicht nicht immer kritisch war, sondern, man kann das auch ganz positiv war. Als wir noch rotgrün hatten, da habe ich immer gesagt, dass ich die Politik von rotgrün gar nicht so schlecht finden wurde. Da wundern sich immer alle und der Saal ist ja voll bei unseren Auftritten. Ich habe das am Beispiel der damaligen Landwirtschaftsministerin Künast deutlich gemacht. Ich habe gesagt: Die Politik von der Frau Künast hat sich eben bewährt. Wenn jetzt die Rinder auf dem Schlachthof stehen, werden ihnen vorher noch die Rechte verlesen, bevor sie geschlachtet werden.
27'30
Te
Auch wenn wir Texte zusammengetragen haben und haben das Programm zusammengestellt, dann haben wir untereinander auch immer abgesprochen, wie ist das  für dich, kannst du das mittragen oder sollen wir da noch was ändern. Also das ist dann schon immer in Absprache geschehen, ansonsten hätte das Ganze sonst nicht funktionieren können.
He Wie war noch mal die tolle Sache, die du damals gemacht hast mit der...
Hö Mit der Legehennenverordnung? Die Grünen sind halt immer im Verdacht, sehr humorlos zu sein. Manchmal bestätigt sich ja der Verdacht auch. Oder besserwisserisch. Aber wir haben natürlich, da war mal einer so ein bisschen beleidigt, aber das haben wir dann schon wieder hingekriegt.
Wer war denn da beleidigt, Joschka?
Nee, nee, auch unter uns. Jetzt schon wieder auf den, muss das denn sein, können wir nicht einen anderen nehmen.

VHS     Einleitung Jella Teuchner: 1996 – Haushalspolitik – Theo Waigel ins             Kreuzfeuer – blättern im Archiv – Geschichte wiederholt sich: Der                 Bundeshaushaltssong  (27'15 – 30'30)

33'10
Ko Wenn Sie mir jetzt einen Zuruf machen, über welche Partei ich was sagen soll, dann denke ich ganz kurz nach...
FDP
FDP – das ist ganz einfach. Wenn ich nach dieser Sendung rausgehe, werde ich wahrscheinlich, ist ja auch schon ein bisschen spät, da darf man das vielleicht mal, werde ich natürlich einen Schnaps trinken. Sie werden wahrscheinlich gar nicht erahnen, warum ich einen Schnaps trinke. Das hat einen einzigen Grund: Es ist die einzige Möglichkeit, das ein Liberaler über 30 Prozent kommt.
33'45

Meistens fange ich damit an, dass ich sage, wer waren die ersten Politiker. Ja, die ersten Politiker waren die heiligen Drei Könige, weil in der Bibel eben schon steht, sie legten die Arbeit nieder, zogen schöne Gewänder an und gingen auf Reisen. Oder ich könnte jetzt aktuell sagen, die Sozialdemokraten haben sich ja nun entschieden, wer ist Kanzlerkandidat der SPD. Der Hintergrund ist ja eigentlich, warum haben sie jetzt einen Kanzlerkandidaten gewählt. Damit haben sie entschieden, wer der erste Sozialdemokrat ist, der nach der nächsten Bundestagswahl der erste Sozialdemokrat ist, der Frau Merkel gratulieren darf im Auftrag der Sozialdemokraten.
Wollten Sie nicht gerade über die FDP reden?
Über die FDP können wir auch reden.
35'10
Ko
Wenn ich sage, die FDP-Mitglieder müssten eigentlich unter Naturschutz gestellt werden. Es gibt mehr Blauwale auf der Welt und die stehen unter Naturschutz, als FDP-Mitglieder. Da müssten vielleicht die FDP-Mitglieder unter Naturschutz gestellt werden. Oder wenn ich sage, die FDP ist die Partei des Islam. Allgemeines Staunen dann immer. Na gut, der Ortsverband ist lahm, der Kreisverband is lahm, der Landesverband is lahm. Weiß ja nicht wie es in Berlin ist oder sonstwo.
Geht das nur bis zum Ortsverband?
Na, bis nach oben. Die Grenze ist da, da hat jeder in seiner Partei sicher Erfahrungen in diesen Dingen. Oder wenn ich mir mal die Linkspartei anschaue, Oskar Lafontaine, da hat man ja vor kurzem einen Gentest gemacht. Und was hat man festgestellt? Er sei eine Mischung aus Rosa Luxenburg und Radio Luxemburg.
36'00+++
Aber ist das, guckt man dann sein eigenes Standing an, wenn man gerade ein falsches Interview gegeben hat oder wenn man falsch abgestimmt hat, dass man sich dann erst einmal zurücknimmt?
Ko
Eigentlich nicht. Nun bin ich in meiner Fraktion dafür bekannt, dass ich teilweise einen sehr beißenden Humor habe. Ich mag gerne diese Gags, die richtig auf die 12 treffen. Ist nicht jedermanns Sache, das gebe ich zu. Und manchmal muss ich auch aufpassen, habe mich auch schon entschuldigt, weil mal einer verletzt ist, was ich gar nicht vorhabe. Aber ich mag schon den scharfen, beißenden Humor oder englischen Humor, wo es so richtig auf die 12 geht. Es sprudelt einfach so raus, kurze Bemerkung und das sitzt dann. Nachher dann: Hättest ja vielleicht auch mal die Klappe halten können. Aber ich kann es nicht.

Autor 1 und 2:
Sagt Koppelin und geht. Friedmann wartet. Hemker und Kuhlwein kommen wieder rein. Sie haben auf dem Gang probiert. Lange haben sie sich nicht gesehen als Kabarettisten. 
Hemker setzt sich vor das Mikrophon. Wie ein Liedermacher. Kuhlwein rechts davon. Sie wirken wie Simon & Garfunkel die ein ein Revival feiern, und legen los. Teuchner und Höfken sollen sich mit in den Refrain hängen. Sie suchen die Zeilen auf ihren Zetteln, aber das Lied ist nicht dabei. Das Interview wird zu einer Vorstellung. Der Kanzler ist dran, erst der eine, dann der andere.

Kanzlerrock 
55'16
Lass den alten Helmut niemals untergehen
57'29
Lass den schicken Gerhard niemals untergehen
Lied: 49'45 Bundestagsblues

1'14'20
Frau Höfken, Sie sagen, Sie bedauern das, dass es nicht wirklich böse wird....
Von mir aus hätte es manchmal etwas pointierter sein können, nur, das war eben nicht Konsens. Dann haben wir es eben so gemacht und das Publikum fand das eben auch so in Ordnung. Es gab ja auch viel Insider unter diesem Publikum, die sehr wohl diese ganz kleinen, versteckten Anspielungen verstanden haben. Und die haben natürlich immer sehr darauf reagiert und sich identifizieren können, ob das jetzt Fahrdienst war oder die Mitarbeiter oder auch bestimmte parlamentarische Debatten, so dass das auf jeden Fall ausreichte. Es war nicht so eine Art Scheibenwischer, die ja manchmal so richtig.. Es gibt ja auch wirklich mal Debatten im Bundestag, da wünscht man sich, die würden noch schärfer hinterfragt und auch aufs Korn genommen. Aber das haben wir dann nicht gemacht.
Der Fahrdienst ist ein schönes Beispiel, der kommt in mehreren Texten vor, aber so richtig gesellschaftlich brisant oder relevant will mir das Thema jetzt nicht erscheinen.
Ku: Das Insiderpublikum hat das aber...
Also, Sie machen Ihr Kabarett dann vorrangig für ein Insiderpublikum?
Ku Es kommt drauf an. Wenn wir auch auswärts aufgetreten sind, dann haben wir schon Rücksicht genommen, haben wir andere Stücke reingebaut. Aber wenn wir in Berlin in der Szene oder in Bonn in der Szene aufgetreten sind, dann konnten wir solche Sachen schon nehmen, weil wir wussten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Abgeordneten, die da sitzen, die erkennen sich wieder da.
Frau Höfken, ich höre bei Ihnen fast eine kleine Trauer raus, dass es eben nicht böse geht.
Hö Nein, das ist, ich habe das so akzeptiert. Auf der anderen Seite: Es waren halt auch unterschiedliche Leute drin, es waren alles Persönlichkeiten und mit manchem hätte man da stärker einheizen können, mit manchem eben nicht. Da muss man eben auch respektieren, dass es manche eben nicht mitmachen wollten. Und dann war es halt auch so.
Also Sie wollten eher unterhalten als wirklich etwas verändern wollen wirklich?
Hö Nein, etwas verändern wollen, war nicht der Anspruch. Sondern tatsächlich eher auch diese subtilen Szenen eines Parlamentes mit rauszuholen und aufzuspießen, humorvoll.
He Deshalb habe ich den Begriff bei mir geprägt: pfiffige Selbstironie. Wenn ich das aber mache, dass ich mich selbst auf die Schippe nehme und auch ein Stück hinter mich trete, dann gehe ich, sage ich mal, nicht so brutal damit um. Das ist einfach so. So sind viele Texte natürlich auch Andeutungen. Natürlich kann man manche Dinge, wie die Sache mit dem Gesetzesentwurf, diesen Text oder die Pümpelnorm, da kann man richtig draufhauen. Wenn man sich die EU-Bürokratie anschaut. Aber hier ist es halt ins Lächerliche gezogen worden. Da ist es ja nur, wo der Winni nur anfing, die verschiedenen europäischen Sprachen vorzutragen, da musste ich mich immer umdrehen, um nicht zu lachen, weil ich wusste was kam und das kam an.
1'20'18
Frau Teuchner, was finden Sie, muss Kabarett weh tun?
Te Das kommt drauf an, vor welchem Publikum man auftritt. Das kann man natürlich nicht mit einem Kabarett von Bruno Jonas oder sonstwem vergleichen, weil das Publikum mit ganz anderen Voraussetzungen an die Sache rangeht. Die üblichen Kabarettisten, die auch im Fernsehen auftreten, die müssen wesentlich mehr erklären. Und wenn wir unser Programm machen, wir wissen, worüber wir reden. Es ist nicht unsere Absicht, uns gegenseitig weh zu tun, sondern einfach die Politik auf die Schippe zu nehmen.
1'22'02
Sollte man nicht sagen, wir machen Kabarett, wie wir es für richtig halten und wenn es weh tut, dann tut es eben weh?
Te Nein, das ist nicht möglich, weil wir ja im Kabarett alle Fraktionen vertreten haben. Und ich habe ja früher selber Kabarett gemacht. Und bei dem Kabarett, bei dem ich früher gearbeitet habe oder was wir früher gemacht haben....Wir waren zehn Frauen und das Programm war so scharf, dass wir einmal unseren Auftritt abbrechen mussten, weil der Veranstalter gesagt hat, nee, das lassen wir nicht zu. Da ging es um den Paragraphen 218. Dann war in dem Stück drinne, ja, jede abgetriebene Leibesfrucht muss ordnungsgemäß beerdigt werden. Die Frauen werden, keine Ahnung, am rechten, linken Ohrläppchen tätowiert, damit sie für ihr Leben erkennbar sind. Solche scharfen Stücke gibt es schon auch und die spiele ich natürlich auch liebens gerne. Aber das kann ich im Bundestag nicht bringen...
Und auch als Politiker vielleicht nicht.
Auch nicht, nee.
He Also ich würde es nicht machen. Ich empfinde die hauptamtlichen Kollegen, die dort auftreten als Menschenverächter. Also wie die teilweise vorgehen, das geht unter die Gürtellinie. Da ist irgendwo eine Grenze da.
Gegenüber der Politik oder überhaupt gegenüber der Gesellschaft?
Gegenüber der Politik. Es gibt da, insbesondere bei den Privaten, ich will hier keine Namen nennen, welche, die da Sendungen machen, das ist Menschenverachtung und das ist Herabsetzung von Menschen. ...
1'24'15
He Ich will das an einem Beispiel machen: Wenn ich meine Veranstaltungen jetzt mache, mit einem Entertainer, der 72 ist. Wir gehen jetzt auf die Zielgruppe zu, zu der wir gehören, besonders Eckhart und ich, also ab 60 aufwärts. Wenn ich also das Alter auf die Schippe nehme, dann kann ich das in einer sehr freundlichen Art und Weise machen. Ich habe aber auch schon Veranstaltungen gehabt und Kabarettisten gehabt, die die Alten fertig machen. Das wird so hart gemacht. Wenn ich aber formuliere in einem neuen Lied von mir: Müde Knochen, graue Haare zeichnen uns schon lange aus, hinter uns bald hundert Jahre, so kennt man uns in jedem Haus, dann können die noch lachen. Das kann ich auch anders formulieren.
1'27'25 
Ku Ich habe z.B. wegen des merkwürdigen Verhältnisses zur Linken, PDS, Linkspartei heute, haben wir relativ früh, habe ich auf die Schmuddelkinder von Degenhardt getextet: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder, such die neue Mitte doch, lass die linken Brüder. Selbstkritisch, auch weil ich mich geärgert habe, wie wir als SPD damit umgegangen sind und auch heute umgehen. Das Lied ist wieder hochaktuell. Dann mal mit dem Refrain: Probiers mal mit den Schmuddelkindern, sing mal ihre Lieder, denkst du an den Bundesrat, brauchst du viele Brüder.
1'28'00
Also, bei Ihnen ist es dann auch manchmal die Wut...
Ku: Ja, auch in der Partei. Wir haben mal...unter Engholm noch einen Bundesgeschäftsführer gehabt, der SPD 2000 entwickelt hat und SPD 2000, also weg mit dem alten Kram, mit den 68ern. Und da habe ich ein Stück gemacht aus Empörung, weil ich das alles ziemlich doof fand, was da als Perspektiven aufgeschrieben worden war.
1'28'30
Ku Wir hatten ein wunderbares Stück, das hatte Jella mitgebracht über Doppelnamen, wo sich vier Frauen gegenseitig hochheizen und sich dann immer mit ihren Doppelnamen ansprechen, was dann immer schneller, sehr ins Absurde, also selbstkritisch, Frauen spielen das, was ihnen inzwischen selber aufstößt.

VHS: Hemker führt ein. „Doppelnamen“  (44'30 – 47'45)
        „... dass Doppelnamen unverzichtbar sind“ = Ende 

1'30'29
Frau Höfken, was treibt Sie an, haben Sie manchmal eine Wut, die Sie auf der Kabarettbühne loswerden wollen?
Hö Also grundsätzlich habe ich eine Wut, die ich als Politikerin loswerde und loswerden will, wenn bestimmte Entwicklungen so sind, dass ich denke, da muss etwas entgegengesetzt werden und das will ich so einfach nicht geschehen lassen, sondern da gibt es etwas anderes. Ich denke, das ist auch das, was als Kabarett dahintersteht. Was wir da machen ist natürlich eher die harmlose Variante jetzt. Wir nehmen den Politiker, die Politikerin in ihrer Szene aufs Korn, also die Schleimerei, dieses Hinterhergerenne, Getriebensein, die Zwänge, die dahinter stehen. Zum Teil auch diese Politikverdrossenheit, so dass man ein bisschen sagt, einerseits, ja so soll es nicht sein und andererseits, nee, denen geht es auch ganz anders, sind arme Schweine. Insofern ist da schon auch was dran..., etwas aufgreifen was so eine wirkliche, reale Debatte ist und sein muss. Ich habe auch Spaß einfach an dieser gemeinsamen Singerei und dem gemeinsamen Auftritt.
Wenn Sie so ein Thema haben, was Sie erregt, überlegen Sie da, das ist eher etwas fürs Kabarett oder das ist eher etwas fürs Plenum oder haben Sie dann ein Thema, was sie auf zwei unterschiedliche Weise ausdrücken wollen?
Hö Nun machen wir die Wasserwerker ja nicht mehr regelmäßig. Solange wir das regelmäßig gemacht haben, habe ich mir schon öfter überlegt, ob ich das Thema so aufarbeite, dass es ins Wasserwerkerprogramm passen würde. Letztendlich habe ich es dann im Bundestag vorgetragen.
1'32'57
Frau Teuchner, was treibt Sie an?
Te Na, zum einen nimmt man das, was gerade des Weges kommt. Aber auf der anderen Seite gibt es bestimmte Themen, die angesprochen werden. Und ich war ja, als ich bei den Wasserwerkern bis zum Schluss mitgespielt habe, war ich ja noch im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz. Heute heißt er ja Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschsft, irgendwas musste ja geändert werden beim neuen Minister....Jetzt bin ich im Gesundheitsausschuss und da gibt es wesentlich mehr Punkte, die man eigentlich kabarettistisch verarbeiten könnte, müsste, sollte.
Hö Noch mehr?
Te Ja klar. Wenn man sich die Gesundheitspolitik der letzten zwei Jahre anschaut, dann ist das ja Kabarett pur, da braucht man ja kein neues Programm mehr schreiben.
Haben wir nicht eine SPD-Gesundheitsministerin?
Echt? Wusste ich gar nicht.
Ku Da haben wir eine Ode an Ulla gedichtet, schenk mir doch ein Leihgebiss.
Te Ja klar, müsste man eigentlich kabarettistisch aufarbeiten. Von daher, dass was, inder Gesundheitspolitik läuft, wundert mich, warum es in der offiziellen Kabarettszene nicht verarbeitet wird.
Doch, Georg Schramm hat ein wunderbares Programm dazu gemacht: Thomas Bernhardt hätte geschossen, sehr empfehlenswert.

VHS  Vor den Fraktionen 1'06'00 - 1'19'00
Einleitung von Koppelin:
Das hat sich seit Bonn nicht geändert. Und seit Berlin sind viele dazugekommen.     Die Journalisten. Sie brauchen uns, wir brauchen sie. Und was sie daraus machen,     ist es oft nicht das was wir gemeint haben. aber bloß nicht dementieren sonst     halten sich Falschmeldungen noch Wochenlang. Unser Beitrag: Vor den Türen der     Fraktionen.

Geht rein – und raus - Geht der Koppelin auch ins Café – Ja, Leuthäuser         Schnarrenberg hat eine Wortmeldung abgegeben – verschiedene Berichte:
Koppelin – Teuchner für den Münchner Kurier -  ??? für die leipziger – Hemker für     die Bild - Winfried Herrmann von den Grünen für den Spiegel +++

45'37
Der Kollege Lang und ich, wir haben eine Theorie aufgestellt, die lautet: Wer bei den Wasserwerkern ist, da können Sie ja gleich alle etwas dazu sagen, wird nicht mehr Parteivorsitzender.
Ko Oh, das weiß ich nicht. Da stelle ich mal eine andere These auf: Ist es denn erstrebenswert, Parteivorsitzender zu werden? Bei den Sozialdemokraten hat man gerade die Parteivorsitzenden gewechselt wie in Italien die Ministerpräsidenten. In meinem Landesverband habe ich solche Situationen auch schon...Da ich selber Landesverbandsvorsitzender war: Es ist nicht erstrebenswert, Parteivorsitzender zu sein. Kann auch nur jeden dringend abraten.
Hö Ich war auch schon Parteivorsitzende meines Landesverbandes. Das ist schon ein harter Job.
Ko Ist man die zweibeinige Klagemauer für alle.
Gut, aber haben Sie das Gefühl, wenn man bei den Wasserwerkern war, kann man anschließend einiges nicht mehr machen?
Ko Nee, nee
Hö Absolut nicht. Im Gegenteil. Wir kommen ja alle aus relativ hohen Positionen in diesem Bereichen da.
Ja, aber
48'40
Sollen wir jetzt mitsingen oder nicht? Ich habe vorgeschlagen...Nee, nee. Nur den Bundestagsblues. Also 1.....
Ku Einer unserer Evergreens war der Bundestagsblues.
Hö Jetzt musst du aber warten, bis wir ihn gefunden haben.
Ku später Reichstagsblues, nach einem alten amerikanischen Countrysong, den hat unse Kollege Conradi, später Präsident der Bundesarchitektenkammer, einer der radikalen Bürgerrechtler in der SPD, damals mitgebracht und er besingt das harte Los der Bundestagsabgeordneten.

49'45 Bundestagesblues

51'
Ku Das war so eines der Lieblingslieder, alle schunkelten da so mit. Ich habe das dann noch mal umgedichtet auf Mitarbeiterblues und deren hartes Schicksal, bevor der Abgeordnete dann am Freitag nach Hause fliegt, dann sagt, fax mir aber alle diese Drucksachen noch, die brauche ich für den Wahlkreis nachmittags und wenn der Abgeordnete dann vielleicht nicht wieder kommt, nicht wieder aufgestellt wird, das böse Schicksal, das Mitarbeiter dann ereilt am Ende der Wahlperiode, wenn der Alte nicht mehr kommt.

Lied: „Du lässt dich gehen“, was kommt nach der Politikabschiedslied über MdB's, Evelyn Fischer sang 1995 (1:44:15 -  1:49:00)

Autor:
Die Zeit ist um. Die Wasserwerker sind Geschichte. Nur manchmal finden sie sich ein, wenn es ein Jubiläum zu feiern gibt. Die Zeit für ein Bundestagskabarett scheint vorüber. Und der Nachwuchs interessiert sich nicht dafür.

1'39'00
Hö Das stimmt schon, dass ich glaube, die Jüngeren sind schon etwas technokratischer, ein bisschen angepasster, weniger individualistisch
Te stromliienförmiger
Hö Diese ganz eigensinnigen, die sind dann vielleicht nicht mehr so bei, aber das müssen wir ja nicht kritisieren, das hat sich dann so nicht mehr ergeben. Auf der anderen Seite auch noch etwas: Dies Stimmung im Bundestag ist, das spielt glaube ich auch eine Rolle, ist sehr viel schärfer geworden. Gerade jetzt unter schwarzrot ist die Auseinandersetzung, die Aggressivität unheimlich groß.

Autor:
Alle haben es wieder eilig. Plötzlich. Jella Teuchner bestellt den Fahrdienst und rollt ihren Koffer aus dem Studio. Kuhlwein sortiert seinen Papierstapel in die Tasche. Frau Höfken verabschiedet sich und Reinhold Hemker packt die Gitarre ein.

Sp. von Dienst:     Wir waren die Wasserwerker. Der Bundestag und sein Kabarett. Sie hörten eine Sendung von Thomas Klug und Tim Lang

Lied: „Das ware die Wasserwerker“Abschlusslied mit namentlicher Verabschiedung (1'53:54 - )

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