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Jürgen Koppelin Kambodscha

Koppelin als Beobachter beim UN-Tribunal in Kambodscha

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin nimmt als Beobachter an den Verhandlungen des UN-Tribunal in Kambodscha teil. Koppelin wird dabei von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter für Rechtspolitik der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Fischer, sowie Mitarbeitern der Friedrich-Naumann-Stiftung, begleitet.

Die Delegation der FDP-Bundestagsfraktion und der Friedrich Naumann-Stiftung werden sich über die Verhandlungen zusätzlich Gespräche mit dem deutschen Botschafter in Kambodscha, Frank Marcus Mann und dem deutschen Staatsanwalt am ECCC, Jürgen Assmann, führen.

Link zu der offiziellen Webseite des Un-Tribunals in Kambodscha.

(Zu dem Thema ist das SPIEGEL-Buch „Die Kinder der Killing Fields“ von Erich Follath neu erschienen)

.Am ersten Tag des Prozess gegen Angehörige der Rote-Khmer in Kambodscha hat einer der Hauptangeklagte sein Bedauern für dieTaten geäußert. «Ich möchte mich bei den Überlebenden und den Angehörigen der Opfer, die brutal ums Leben kamen, entschuldigen», sagte der frühere Leiter eines Foltergefängnisses, Kaing Khek Iev genannt «Duch», nach einem Bericht des britischen Senders BBC vom Dienstag. Der 66-Jährige ist vor dem Völkermord-Tribunal in der Hauptstadt Phnom Penh wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeklagt.

Insgesamt kamen unter dem kommunistischen Diktator Pol Pot zwischen 1975 und 1979 rund zwei Millionen Menschen ums Leben. «Duch» arbeitete im Gefängnis «Tuol Sleng in Phnom Penh, das auch als »S-21« berüchtigt war. Dort wurden mindestens 14.000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert und ermordet. »Duch" sagte, er habe es aus Angst um
sein Leben nicht gewagt, den Posten als Gefängnisleiter abzulehnen. Von den Gräueltaten habe er zwar gewusst, sei jedoch nicht daran beteiligt gewesen.
Vor dem Sondertribunal, das von den UN finanziell und personell unterstützt wird, müssen sich noch vier weitere Ex-Führer der Roten Khmer verantworten.
Deutschland hat sich über das Auswärtige Amt an den Kosten des Prozesses mit 20Millionen Euro beteiligt.

Um eine bäuerliche Gesellschaft zu schaffen, hatte das Regime die Menschen systematisch aus den Städten vertrieben und zur Feldarbeit gezwungen. Dem heutigen Staatsapparat werden Verbindungen zu ehemaligen Kadern der Roten Khmer nachgesagt. Premierminister Hun Sen war einst selbst ein Offizier der Roten Khmer, ehe er 1977 zu den
Vietnamesen überlief.

Die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Mitglieder der Führung der Roten Khmer will den 1,7 Millionen Opfern des mörderischen Regimes zu später Gerechtigkeit verhelfen. «Das verlangt die Geschichte», sagte eine Vertreterin der Anklage, Chea Leang, zu Beginn des zweiten Prozesstags am 31. März 2009. Angeklagt ist der frühere Leiter eines berüchtigten
Foltergefängnisses, Kaing Guek Eav, genannt Duch. Er muss sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und Mord vor dem UN-unterstützten Tribunal verantworten.
Seit 30 Jahren warteten die Opfer der Roten Khmer auf Gerechtigkeit - darauf, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden, sagte die Staatsanwältin. «Seit 30 Jahren hat eine
Generation Kambodschaner gehadert, um eine Erklärung für ihr Schicksal zu bekommen», sagte sie. Der 500 Plätze fassende Zuschauerbereich war am Dienstag den zweiten Tag in Folge voll besetzt - es mischten sich teils verstümmelte Opfer des Regimes mit Jurastudenten und Neugierigen. Duch hatte das S-21 genannte Folterlager Toul Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh geleitet, in dem 16.000 Männer, Frauen und Kinder brutal gefoltert und schließlich vor den Toren der Stadt umgebracht wurden. Der 66-Jährige ist geständig. Zu Beginn der Vorverhandlung im Februar hatte er um Vergebung für seine Taten gebeten. Nach dem Sturz der Roten Khmer 1979 war Duch für 20 Jahre untergetaucht, bis er 1999 im Nordwesten Kambodschas aufgespürt wurde. Die juristische Vorbereitung des Prozesses hat Jahre gedauert. Duch ist der erste von insgesamt fünf ranghohen Roten Khmer, die sich vor Gericht verantworten müssen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit spielt bei den Prozessen eine große Rolle: Täter und Opfer wohnten nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer wieder nebeneinander, die Verbrechen wurden nicht thematisiert. Bis heute hat die blutige Geschichte der Roten Khmer beispielsweise noch nicht Eingang in die Schulbücher des Landes gefunden.

Zwtl: Schläge, Elektroschocks, Ausreißen von Fuß- und Zehennägeln

Die Anklageschrift wirft Duch vor, aus den Insassen unter furchtbarer Folter das Geständnis «konterrevolutionärer Aktivitäten» herausgepresst zu haben. Gefangene seien mit Schlägen, Elektroschocks, dem Ausreißen von Fuß- und Zehennägeln, dem Überziehen von Plastiktüten und anderen grausamen Praktiken gefügig gemacht worden. Die anschließende Hinrichtung der Insassen war laut Anklage von vornherein beschlossene Sache. Das Folterlager Toul Sleng, eine frühere Schule, die mitten in einem Wohngebiet liegt, ist heute ein Museum. Die Roten Khmer unter ihrem 1998 verstorbenen Führer Pol Pot verwandelten Kambodscha nach ihrer Machtübernahme 1975 in ein gigantisches Zwangsarbeitslager, in dem sie nach ihrer Ideologie die traditionelle Gesellschaft auslöschen und beim «Jahr Null» neu anfangen wollten. Schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen verhungerten, starben an Krankheiten oder wurden exekutiert. 1979 wurden die Roten Khmer nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen gestürzt.

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