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Jürgen Koppelin Reden

Rede Grosse Anfrage Popmusik


Rede zur Grossen Anfrage Rock- und Popmusik

22. Februar 2002 

 

Die Antwort der Bundesregierung auf die Grosse Anfrage der CDU/CSU-Fraktion zur Rock- und Popmusik in Deutschland ist eine sehr gute Materialsammlung, und ich will mich ausdrücklich bei der Bundesregierung dafür bedanken, dass sie sich bemüht hat, sehr sachgerecht die Fragen zu beantworten. Wenn es Mängel in der Beantwortung der Grossen Anfrage gibt, so ist das gar nicht mal der Bundesregierung vorzuwerfen, sondern eher den Fragestellern in der CDU/CSU.

Als jemand, der mit vielen Künstlern befreundet ist, finde ich es bedauerlich, wenn die Union bei einer Bestandsaufnahme über Rock- und Popmusik in Deutschland gleichzeitig nach rechts- und linksextremen Texten und gewaltverherrlichender Darstellung gefragt wird. Das haben unsere Künstler nicht verdient.

Die Grosse Anfrage der CDU/CSU weist noch eine weitere Schwäche auf: Es wird nicht nach den vielen Künstlern in Ostdeutschland gefragt. Nach der Wende, auf die viele Künstler in der ehemaligen DDR gehofft hatten, um endlich frei arbeiten zu können, um die Welt für sich offen zu haben, mussten sie feststellen, dass die Deutsche Einheit die Künstler in Ostdeutschland nicht auf der Rechnung hatten. Weder die Medien, und noch nicht einmal die GEMA.

Die Künstler aus der ehemaligen DDR wurden als Fussnote der Unterhaltungsbranche abgehakt. Es reichte gerade noch als Beigabe für Kaffeefahrten ostdeutscher Rentner zur Animation beim Kauf von Rheumadecken und Kochtöpfen.

Ich habe erhebliche Zweifel, ob unsere Künstler wirklich rechtliche Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber verlangen wie die Union es in ihrer Grossen Anfrage darstellt.

Kulturelle Betätigung, und das trifft dann auch auf Rock- und Popmusik zu, braucht Freiheit und eine Vielzahl von Entfaltungsmöglichkeiten.

Rechtliche Rahmenbedingungen, wie von der Union gefordert, enden sehr schnell in geistiger Einengung und in Vorschriften und teilweise auch in Geschmacksdiktatur.

Zu wenig gibt diese Grosse Anfrage Auskunft darüber, warum deutsche Rock- und Popmusik es so schwer hat. Ich glaube, dass eine der Hauptursachen darin liegt, dass die deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten, ob öffentlich-rechtlich oder privat, zu reinen Abnudel-Stationen für Hitlisten verkommen sind. Unter den Bedingungen, die heute Musiker in Deutschland vorfinden, hätten meine Freunde Jürgen von der Lippe oder Reinhard Mey kaum noch eine Chance, überhaupt bekannt zu werden.

Aber nicht nur die Rundfunk- und Fernsehanstalten haben entscheidend dazu beigetragen, dass der Nachwuchs keine Chance hat. Die Musikindustrie selbst ist für diese Entwicklung verantwortlich.

In einem Interview mit BBC sagte in dieser Woche Elton John: "Viele in der Musikindustrie denken heute nur noch an ihre Quartalseinnahmen, und es gibt keine Langlebigkeit in der Musikbranche mehr".

Es ist Zeit, dass man einige Bands fordert und ihnen Zeit lässt. Talente gibt es heute genau so viel wie es sie früher gegeben hat, aber man gibt ihnen keine Chance.
Darin liegt in der heutigen Zeit das Problem für junge Künstler in der Musikbranche.

Geben wir unseren vielen Talenten im Lande eine Chance. Erinnern wir uns, als Anfang der Achtziger Jahre die sogenannte Neue Deutsche Welle aufkam. Ein völlig unbekannter Sänger wie Markus sang damals "und kostet Benzin auch 2 Mark 10, scheissegal, es wird schon gehen". Wer hätte gedacht, welchen Einfluss dieser Sänger zum Beispiel auf die Politik der Grünen ausüben würde.

Und man möchte sagen: Schade, dass unser Bundeskanzler und die Bundesregierung das Lied der Gruppe Geier-Sturzflug nicht kennt, in dem es heisst: "Und jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir erhöhen das Bruttosozialprodukt".

Wenn ich diese beiden Lieder bewusst nenne, dann auch, um zu sagen, geben Sie, geben wir, der Musik in allen Sparten Chancen. Fördern wir Talente, helfen wir Ihnen, aus dem Übungskeller herauszukommen und fordern wir Intendanten, egal von welchem Sender, auf, endlich mit dafür zu sorgen, dass man nicht nur um der Einschaltquote willen einen Sender zu einer Nudelstation von amerikanischen und englischen Hitparaden macht.

Eine Anmerkung zum Schluss: Nach dem 22. September wird die FDP die Musik in diesem Lande machen, und ich bin sicher, sie wird vielen Menschen sehr gut gefallen.

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