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Jürgen Koppelin - Bilder meines Lebens

Reinhard Mey

Sohn von Reinhard Mey liegt im Wachkoma.

Darüber berichtete Reinhard Mey bei „Beckmann

Der 27-Jährige Maximilian Mey liegt seit sechs Monaten im Wachkoma. Darüber berichtete Reinhard Mey in der ARD-Talkshow "Beckmann",

Der 27-Jährige war den Schilderungen von Reinhard Mey am 13. März 2009 bewusstlos zusammengebrochen. Seine Freundin habe den Notarzt alarmiert.
Dieser habe einen Herz- und Atemstillstand festgestellt und den jungen Mann sofort reanimiert. "Es hat sich rausgestellt, dass er eine schwere Lungenentzündung mit drei unterschiedlichen Keimen hatte", berichtete Reinhard Mey. Die Ärzte hätten auf der Intensivstation "alle möglichen Untersuchen auf der Suche nach der Ursache durchgeführt: Sie haben geprüft, ob irgendwelche Schadstoffe, Drogen, Alkohol oder irgend so etwas im Spiel gewesen sein könnte, aber es waren null Drogen, null Alkohol."

"Ich möchte nicht lügen und sagen, es geht mir fabelhaft"

Der Musiker wollte dieses Interview, das das einzige bleiben soll, geben, weil er sich "nicht mehr verstecken" möchte, wenn ihn Bekannte aus dem Ort an der Tankstelle oder im Supermarkt auf die Familie ansprechen. "Ich möchte nicht lügen und sagen, es geht mir fabelhaft.
Ich möchte es ihnen aber auch nicht zwischen zwei Supermarktregalen erzählen", sagt Mey. "Wir müssen mit dieser schweren Situation leben, und wir müssen vor allem versuchen, sie zu meistern. Das heißt, wir müssen unseren Alltag meistern ­ und das bedeutet, dass wir die Karten auf den Tisch legen müssen."

Eine Prognose über die weitere gesundheitliche Entwicklung seines Sohnes, der sich derzeit in einer Pflegeeinrichtung befindet, könnten die Ärzte nicht geben. Reinhard Mey: "Wir können nur unser Bestes tun.
Therapie, Therapie, Therapie ­ ihm alle Möglichkeiten anbieten, ihn aus diesem Dunkel wieder raus zulocken."

Reinhard Mey schreibt in seiner Homepage:

Liebe Freunde,
meine Familie und ich sind überwältigt und tief berührt von soviel Zuneigung und menschlicher Wärme, die uns in Ihren Wünschen und guten Gedanken begegnet.
In diesen Tagen der Ungewißheit und Sorge haben wir die wunderbare, tröstliche Erfahrung gemacht, in Ihrer Anteilnahme aufgefangen zu sein. Danke für den Beistand und für den Mut, den wir darin finden und die guten Energien, die wir weitergeben werden!

Reinhard Mey:

"Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Therapeutinnen, seine Geschwister, seine Freundin und Freunde umsorgen ihn in bewunderungswürdiger Weise.
Wir danken ihnen allen für den Beistand, den Trost und die Hoffnung, die sie uns geben, und für ihre Verschwiegenheit zu Max' Wohl."
Reinhard Mey erklärte sich auch in Zukunft angesichts der strikt persönlichen Angelegenheit in Zurückhaltung üben zu wollen: "Ich weiß mich Ihres Verständnisses und Ihrer Solidarität sicher, wenn ich Sie bitte, unseren Wunsch nach Zurückgezogenheit und Ruhe zu achten, um den Therapeuten und uns die Möglichkeit zu geben, Max geschützt und fernab der Öffentlichkeit betreuen zu können und bei ihm zu sein."


Ein schönes Urheberrecht: Ich darf CDs von Reinhard Mey kopieren.
Original ist aber noch schöner.








© Reinhard Mey


© J. Koppelin


Aber deine Ruhe findest du trotz alledem nicht mehr


Ich weiß nicht, was mich dazu bringt,
Und welche Kraft mich einfach zwingt,
Was ich nicht sehen will, zu seh'n.
Was geh'n mich fremde Sorgen an,
Und warum nehm' ich teil daran,
Statt einfach dran vorbeizugeh'n.
Ich schließ' die Fenster, schließ' die Tür'n,
Damit die Bilder mich nicht rühr'n,
Doch sie geh'n mir nicht aus dem Sinn.
Mit jedem Riegel mehr vorm Tor
Dringt es nur lauter an mein Ohr,
Und unwillkürlich hör' ich hin:

Du hast nicht gestohlen, nicht betrogen,
Und wenn irgendmöglich nicht gelogen,
Oder wenn, dann ist das wenigstens schon eine ganze Weile her.
Hast fast nie nach fremden Gut getrachtet,
Und fast immer das Gesetz geachtet,
Aber deine Ruhe findest du trotz alledem nicht mehr.

Mich zu verteidigen brauch ich nicht.
Keine Geschworenen, kein Gericht
Nehmen mir meine Zweifel ab,
Ob ich dem, der um Hilfe bat,
Was ich ihm geben konnte, gab,
Was ich für ihn tun konnte, tat.
Hab' ich das je zuvor gefragt,
Hab' ich mir denn nicht selbst gesagt;
Irgendwer kümmert sich schon drum.
Irgendwer wird zuständig sein,
Da misch dich besser gar nicht rein,
Und ausgerechnet du, warum?
Hab' ich mir denn nicht selbst erzählt,
Daß meine Hilfe gar nicht zählt,
Und was kann ich denn schon allein?
Was kann ich ändern an dem Los,
Ist meine Hilfe denn nicht bloß
(Foto: Hella Mey.) Wir diskutieren, aber nicht über Politik.

Ein Tropfen auf den heißen Stein?
Und doch kann, was ich tu' vielleicht,
Wenn meine Kraft allein nicht reicht,
In einem Strom ein Tropfen sein,
So stark, daß er Berge versetzt,
Sagt denn ein Sprichwort nicht zuletzt,
Höhlt steter Tropfen auch den Stein.

 

 

 

 

 

 

 


Foto: Hella Mey.
REINHARD MEY ALS BUNDESTAGSABGEORDNETER?

Reinhard Mey könnte sich vorstellen Bundestagsabgeordneter zu werden. In der "Rheinischen Post" erklärte er am 23. September 2007: "Ich könnte mir vorstellen das könnte ich".
Wenn er als Parteiloser auf die Landesliste einer Partei gesetzt würde, könnte er sich mit der Vorstellung anfreunden, sagte Reinhard Mey.
So würde er sich zum Beispiel gegen Militäreinsätze engagieren.

 

Reinhard Mey muss man mögen.

Lieber Reinhard, "Was kann schöner sein auf Erden, als Politiker zu werden" stimmt vielleicht nicht ganz.
Doch ein Funken Wahrheit ist sicher dabei.
Foto: Hella Mey.

Dein Lied "Wahlsonntag" trifft allerdings immer zu.

Aber ernsthaft: Die Lieder von Reinhard Mey sind Poesie, die nicht mit der Holzhammermethode auf Mißstände und Ungereimtheiten hinweisen, sondern er fordert zum Zuhören und Mitdenken auf.

Das wir uns jetzt seit über 25 Jahren kennen und schätzen, darauf bin ich ein bißchen stolz.




Reinhard Mey wurde am 21. Dezember 1942 in Berlin geboren.


Foto: Hella Mey.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Urkunde der Industrie- und Handelskammer.
Im Oktober 2001 erhielt Reinhard Mey das Bundesverdienstkreuz am Band.

 

 

Am 22. September 1965 bestand Reinhard Mey vor der Industrie-und Handelskammer seine Prüfung als Industriekaufmann.

 

 

 

 

 

 

Die neueste CD von Reinhard Mey, die auch Platz 1 der Verkaufs-Charts wurde:


CD-Cover Reinhard Mey.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ik wou zoals Orpheus zingen
Reinhard Mey und Koppelins vor dem Dorfkrug Ende September 2007
Foto: Hella Mey

(Ich wollte wie Orpheus singen)

Ik wou zoals Orpheus zingen
die eens zo mooi zong
dat zelfs stenen huilen gingen
als zijn stem weerklonk

Wilde dieren omringden hem
en luisterden mee
bij het horen van zijn stem
zwegend de wind en de zee

Maar mijn liederen klinken naar wiin
en m'n stem klinkt naar rook
laat mijn naam geen Orpheus
Reinhard Mey und Dorthe Koppelin. September 2007
Foto: Ina Koppelin
zijn
de mijne bevalt mij ook

Ik breng mijn lier naar 't pandjeshuis
maar hij is niet veel waard
toch haal ik hem weer gauw thuis

over liefde en eeuwigheid
maar wat ik je werkelijk bied
is middelmatigheid

Geen zee heeft voor mij gezwegen
en er huilde geen kei

Geen zee heeft voor mij gezwegen
en er huilde geen kei
maar Jou heb ik ermee gekregen


Musik und deutscher Text: Reinhard Mey
Nederlandse Tekst(holl.Text): Crousaz


Fast ein Familienabend
.(Foto: Koppelin)

DER IRRENDE NARR

Dem Haus den Rücken zugewandt,
Die graue Mütze in der Hand,
Sein Blick zur Seite, halb zurück,
Ein Hund folgt knurrend ihm ein Stück.
Er zögert, bleibt noch einmal steh?n
Und wendet sich im Weitergeh?n
Zurück zu dem, was einmal war

Der irrende Narr.
Ein Weiser, seiner Welt entfloh?n,
Halb Heil?ger, halb verlor?ner Sohn,
Spricht zu sich selbst in seinem Trott
Und plaudert mit dem lieben Gott:
Der irrende Narr.


Reinhard Mey und Jürgen Koppelin im Juni 2007.
Sein Blick, verwaschen wie sein Kleid,
Vom Wind, vom Regen, von der Zeit
Und von der Sonne ausgebleicht
Und so schwer, wie sein Brotkorb leicht.
Die Schuh? erbärmlich wie sein Rock,
Die Glieder wie sein Wanderstock
Und wie sein Sinn unbeugsam starr,
Der irrende Narr.

War?s Antiochus im heil?gen Land,
Der Fall von Flandern und Brabant,
War?s Zuidcote oder Stalingrad,
Das ihm die Seele zerbrochen hat.
Mit seinem Gestern zum Geleit,
Verliert er sich in Raum und Zeit,
Und wird sein Heut? nicht mehr gewahr,

Brief von Reinhard Mey.
Der irrende Narr.

So zieht er weiter für und für,
So steht er draußen vor der Tür
Und bittet um ein wenig Brot.
Er riecht nach Armut und bitt?rer Not.
Du gibst ihm reichlich Brot und Wein,
Aber du bittest ihn nicht herein.
Er dankt und lächelt sonderbar,
Der irrende Narr.


Autogramm von Reinhard Mey.
Dem Haus den Rücken zugewandt,
Die graue Mütze in der Hand,
Sein Blick zur Seite, halb zurück,
Ein Hund folgt knurrend ihm ein Stück.
Er zögert, bleibt noch einmal steh?n
Und wendet sich im Weitergeh?n
Zurück zu dem, was einmal war,
Der irrende Narr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


... Bei unserem ersten Treffen 1982 in Bad Bramstedt
.(Foto: Ina Koppelin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fragebogen aus dem Begleitheft
zur "Immer weiter"-Tournee
Komm gieß mein Glas noch einmal ein....
Foto: Hella Mey

1996/97

Freud und Leid

Was ist Ihre größte Hoffnung?
Daß es zum Ende doch nicht so dicke kommt, wie ich es mir jetzt vorstelle.

Wer oder was ist Ihre heimliche Leidenschaft?
Ich beobachte gern - auch still und leise und sogar heimlich.

Was ist Ihnen peinlich?
Wenn ich aus tiefster Überzeugung Menschen freudig mit falschem Namen anrede.

Welche kullinarischen Genüsse schätzen Sie besonders?
Im Oktober 2007 mit Hella und Reinhard Mey in Berlin Frohnau.
(Foto: Hella Mey)

Eine große Schüssel Blattsalat mit Kräutern, Keimen und Kernen "an" Vinaigrette, dazu offenfrisches Fladenbrot.

Was treibt Sie zur Verzweiflung?
Der Streß, der durch den unvermeidlichen Schulbesuch unserer Kinder über uns hereinbricht.

Freund und Feind

Wem werden Sie ewig dankbar sein?
Meinen Frauen.

Was loben Freunde an Ihnen?
Trinkfreude, Abenteuerlust, handwerkliches Geschick.
Autogramm von Reinhard Mey.


Was sagen Ihre Feinde Ihnen nach?
Eßlust, Friedfertigkeit, Freundlichkeit.

Wofür oder bei wem müssen Sie sich unbedingt noch entschuldigen?
...bitte melde dich!

Schein und Sein

Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?
Mein Modebewußtsein.

Was war, was ist Ihr größter Erfolg?
Eine Platin-Schallplatte in den Niederlanden 1976.

Was war Ihre dramatischte Fehlentscheidung?
Steht noch aus.
Was sind Ihre verborgenen Schwächen?
Tierische Angst vor großen Hunden und kleinen Kläffern.

Wie würden Sie einem Blinden Ihr Äußeres beschreiben?
Kleiner, dünner Mann mit Brille.

Denken und Lenken

Was würden Sie zuerst durchsetzen, wenn Sie einen Tag lang Deutschland regieren könnten?
Den schulfreien Freitag einführen.
Reinhard Mey.


Welcher Politiker flößt Ihnen Vertrauen ein?
Heiner Geißler, Jürgen Koppelin.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Immer weiter.

Ewigkeit und Vergänglichkeit

Welchen Traum wollen Sie sich unbedingt noch erfüllen?
Ich möchte 105 werden, damit ich den 100. Geburtstag meiner Frau erleben kann.

Wo möchten Sie unbedingt beerdigt werden?
Auf einer Insel

Wer soll Ihre Grabrede halten?
Pius Regli.

Welchen Satz erhoffen Sie sich darin?
Einä, wo in Sachen Ässe und Trinkä druus chunnt,
stoot vor da Himmelstüra:
Mached um uff!

 

 

Forderung nach Quote für mehr deutschsprachige Musik im Radio
Der Wortlaut von Reinhard Meys Plädoyer auf der Pressekonferenz des Vereins Deutsche Sprache vom 5.12.03 im Berliner Tränenpalast

Im Jahre 1986 :
Sie sehen, der Liedermacher ist schon immer seiner Zeit voraus gewesen - habe ich zu diesem Thema ein Lied gemacht: My english song, darin heißt es:
I think that I make something wrong
I once must make an english song
Cause in my radio everyday
I hear them english music play
And all the radio people stand
On songs they cannot understand!

So I sing english now
That's really annimally strong
I you can hear my english song all day long
Out of your loudspeaker at home
Or driving in your car
All over this our land wherever you are
From the SFB to the WDR.


Eintrittskarte zu einem Reinhard-Mey-Konzert in Kiel.
Sie können sich tagtäglich auf den Radiowellen dieses, unseres Landes davon überzeugen, daß das Lied von seiner Aktualität nichts verloren hat: Es wird fast ausschließlich englischsprachige Musik gespielt, zumindest auf den Sendern, deren Nachrichten und Textbeiträge einigermaßen erträglich sind und dem IQ eines durchschnittlich vernunftbegabten deutschen Otto Normalverbraucher entsprechen.
Natürlich gibt es auch vereinzelt ein paar verirrte Spartensender, die ausschließlich auf deutsche Schlager spezialisiert sind, aber das ist das andere, keinesfalls wünschenswerte Extrem von einem Dudelfunk, der den ganzen Tag diesen grenzdebilen, reaktionären Schlagerschrott spielt und diese unsägliche, ewig gestrige sogenannte Volksmusik (die nichts, aber auch gar nichts mit Volksmusik zu tun hat).
Den Normalfall erlebe ich, wenn ich in dieser Stadt das Radio anmache:
Da fliegt mir die anglo-amerikanische Meterware nur so um die Ohren, nicht nur bei den Sendern, die meine Kinder hören (wo die Meterware dann noch am frischesten ist!), sondern bei den ganz biederen und gesetzten Wellen, die auch ein Seniorenpublikum wie mich ansprechen wollen. Vielleicht um dieser Altersschicht gerecht zu werden, gibt es dann die Uralt-Hits, bei denen ich damals im vorigen Jahrhundert schon beim ersten Hören die ungute Vorahnung hatte, daß ich mir diesen Scheiß mein ganzes Leben lang werde anhören müssen
Goldene Schallplatte von Reinhard Mey

I'm your yesterday man" sang ein seherisch veranlagter Barde in den 60ern, I'm your yesterday man singt eine Kartei Leiche immer noch! Warum? Und gibt es einen Grund .Chirpy-chirpy-cheap-cheap auszukuhlen? Nein, aber egal, englisch muß es sein.
Den anderen Ferien-Sonderfall erlebe ich wenn ich an die Nordsee auf des Berliners liebste Ferieninsel fahre:
Am Dreieck Havelland schalte ich den NDR2 ein, wegen des Verkehrsfunks, nicht wegen der Musik.
Die Musikauswahl wird mir zwar gebetsmühlenartig als "die größte Vielfalt" angepriesen, besteht aber ausschließlich aus den englischen Top 100 und ein paar immergleichen Oldies.
Wenn ich nach 5 1/2 Stunden Fahrt in Westerland ankomme, hätte ich 5 1/2 Stunden rein englisches Programm gehört, wären da nicht die Nachrichten in deutscher Sprache und der Verkehrsfunk, wirklich!
Also ich will bei der Wahrheit bleiben, ich geb's zu, einmal hab ich auch Grönemeyer gehört! Auf der Konkurrenzwelle RSH das gleiche Drama .
Die größte Abwechslung heißt es da und es gibt noch mehr Werbung. Es gibt einfach keine Alternative.
All das hat dazu geführt, daß viele junge Leute, die singen wollen und die Aussichtslosigkeit erkannt haben, das in ihrer Muttersprache tun zu können, darauf ausgewichen sind, in englisch zu schreiben und zu singen. Ein verzweifeltes Unterfangen, was sich mir nicht nur subjektiv als extra peinlich darstellt, sondern was auch oft objektiv an so einfachen Kriterien wie Sprachkenntnissen und Akzent scheitert.
In England oder Amerika kriegen unsere englisch singenden Deutschen keinen Fuß in die Tür, da sind sie Lachnummern, die höchstens mal einen Erfolg dort verbuchen können, wo man noch schlechter Englisch versteht und mit mehr Akzent spricht als in Deutschland, also Froonkreisch, Rußland und Südkorea...
Wie ist es dazu gekommen? Ich glaube die Wurzeln liegen in einer Identitätskrise. Nach dem zweiten Weltkrieg war uns alles Deutsche suspekt, vieles davon zu Recht. Unsere größten Wortkünstler, unsere besten Musiker, unsere Kulturschaffenden hatten wir ermordet oder ins Exil getrieben. Deutschland lag kulturell - von unseren Klassikern mal abgesehen - genauso zerstört am Boden wie die Städte. In diese Wüste kamen AFN und BFN mit neuer, herbeigesehnter, langentbehrter Musik, mit Jazz, Swing und später Rock'n Roll. Und der Erfolg dieser Musik hat natürlich die Nachahmer beflügelt und damit begann das ganze Elend! Nichts ist schlimmer als nachmachen, nichts peinlicher als der Versuch, ein Original zu kopieren, das man gar nicht erreichen kann. Das war die Geburtsstunde der Verachtung für den deutschen Schlager.
Denn wenn er vor dem Krieg oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit oft von großer Originalität und Witz geprägt war, entstanden nun wirklich miese, lausige Imitationen und unsägliche Nachzieher. Deutsch war abgehalftert und zwar zu recht. Diese Nachzieher haben den Boden so nachhaltig verbrannt und versaut, daß sich der deutsche Schlager davon bis heute nicht erholt hat, von ein paar ganz wenige Ausnahmen abgesehen. Denn noch immer kopiert er, noch immer klaut er, und solange er nichts eigenes, originelles erschafft, wird er immer schlechter sein als das Original auf dessen Schleimspur er hinterhersabbert.
Die Rundfunkredakteure, die einen gewissen Anspruch haben wollten, haben einen Bogen um alles Deutsche gemacht. Wer was auf sich hielt spielte nur englisch. In den 60er und 70er Jahren platzten wir Liedermacher in dieses Deutsch-Vakuum und als Alternative (manchmal auch als Alibi) freudig begrüßt, fanden wir offene Studiotüren. Es gab eine richtige Liedermacherwelle, aber wie alle Wellen spülte auch diese manch hole Muschel hervor und wie alle Wellen ebbte sie auch wieder ab, alles blieb beim alten: Deutscher Schlager und englischer Pop. Es folgte die neue deutsche Welle, mit dem bekannten auf und ab, alles blieb beim alten: Deutscher Schlager und englischer Pop.
Und dann folgte die Privatisierung des Rundfunks, von der wir uns alle diese herrliche, überwältigende Vielfalt erhofften, diese Öffnung, diese Abwechslung. Aber statt dessen kam die totale Verarmung, die Vereinheitlichung, der überall gleiche Dudelfunk, das Elend: Das Spartenradio! Ein Radio, bei dem der Marketing Chef mit Schielen auf die Aktionäre die Musik bestimmt und ein Computer bestimmt wann sie gespielt wird.
Kein Redakteur, der mehr mit liebender Hand und Sachverstand die Auswahl trifft, der vielleicht auch mal daneben haut, nein, kein Risiko, es geht nur noch auf Nummer sicher, das was Quote bringt wird gespielt, das was angeblich gewünscht wird. Aber wenn nur eine Sorte Musik gespielt wird, dann gewöhnt sich der Mensch daran und schließlich dressiert und domestiziert, bestellt er sie sich sogar.
Ich denke immer an den Vergleich mit dem Schuhgeschäft, in dem es braune, weiße, schwarze und blaue Schuhe gibt. Wenn aber immer nur die braunen ins Fenster gestellt werden, kaufen die Leute irgendwann auch nur noch braune und nach und nach wird die Produktion der anderen Farben eingestellt werden. Und der Musikredakteur kennt nur noch die enge Auswahl, dessen, was er zu spielen hat. Und auch die nicht mehr wirklich: Er sieht auf seinem Monitor im Studio den nächsten Titel, er kann ihn nicht ändern oder verschieben, er braucht ihn nicht zu kennen, er sieht an farbigen Balken wie lange das Instrumentalvorspiel ist, damit er rüberquatschen kann, er sieht wie lang das Nachspiel ist, damit er Werbung anhängen kann. Jegliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Liedes ist unnötig und unerwünscht - könnte ja vielleicht nicht in die Meinungsschablone des Senders passen - und da ist es natürlich am besten, wenn man nicht wirklich versteht worum es in einem Lied geht. Was eignet sich da besser als ein Stück anglo-amerikanische Meterware?
Früher wurde zu einem aktuellen Anlaß vom Musikredakteur gern ein Lied genommen, das dessen Thema aufgriff; längst Vergangenheit: 1. macht es zusätzliche Arbeit, 2. könnte man sich den Mund verbrennen, also liber ein Stück unverfängliche Pop-Musik in englisch.
Zusammen mit Reinhard Mey in Bad Bramstedt.
(Foto: Ina Koppelin 1982)

Mir könnte das alles wurscht sein, ich habe die schönsten Cds im Auto, von Klaus Hoffmann, Kevin Johnson, Judith Holofernes, Händel, Aznavour und Gerhard Gundermann, die größte Vielfalt und die schönste Abwechslung und der Verkehrsfunk blendet sich ja durch. Mir ist es wurscht, daß ich im Radio nicht gespielt werde, ich bin ein alter Knochen und mein Publikum kennt mich und beschert nach wie vor jeder meiner Platten Gold-Status und findet auch trotz strengster Geheimhaltung den Weg in meine Konzerte. Mir ist es aber nicht wurscht, daß die jungen Künstler, die es in diesem Land so reichlich gibt, nicht gespielt werden, daß die sich in unserer Sprache ausdrücken wollen, kein Podium haben, um sich uns vorzustellen. So viel geht uns da verloren, so viel gutes hören wir nicht, so viele Talente blühen, warten und verzweifeln und müssen irgendwann kläglich aufgeben, weil unsere Medien sie diskriminieren. Kein Rundfunk, kein Fernsehen, keine Zeitung gibt ihnen eine Chance: Kein "Liederzirkus", kein "Café Intakt" vorbei, nur noch die Charts einerseits und die Volksmusik andererseits, man kann sich als junger Künstler nur noch überlegen, an welchem dieser beiden Fensterkreuze man sich aufhängen will.
Ich bin kein Freund von Dirigismus und ich habe immer auf die selbstheilenden Kräfte des Marktes gehofft, aber sie können es nicht schaffen: Bei dem massiven Einsatz der Schallplattenkonzerne, die lieber ihre fertigen amerikanischen und englischen Produkte in die Läden reindrücken, als mühsam und risikoreich neue Talente aufzubauen, sind die selbstheilenden Kräfte aus gutem Geschmack, Neugier und Freude an der Sprache zum Scheitern verurteilt.
Ich sehe es ungern, aber ich sehe es ein: Es führt bei dem Verhalten unserer Medien kein Weg an einer Quote für deutschsprachige Musik vorbei, wenn wir nicht einen wichtigen Zweig unserer Kultur und Wirtschaftszweig, meine Damen und Herren Nationalökonomen! - an unterlassener Hilfeleistung sterben lassen wollen. Ja, ich plädiere für die Quote!


Reinhard Mey wurde 65


Wirklich schon wieder ein Jahr?

 

Ist das schon so lange her?

Wirklich, schon wieder ein Jahr?

Noch weht mir der Wind von der See her entgegen, noch finde ich Sand in meinen Hosenumschlägen und Dünengras in meinem Haar, spür' auf den Lippen das Meer; wirklich, schon wieder ein Jahr?


Wirklich, schon wieder ein Jahr?

Ist es schon wieder so spät?

Mir taut noch der Vorjahrsschnee von meiner Mütze um meine Schuhe entsteht eine Pfütze auf dem gewachsten Parkett werd ich den Winter gewahr.

wirklich, schon wieder ein Jahr?

 

Wirklich, schon wieder ein Jahr?
Reinhard Mey

Ist also morgen schon heut?

Noch schwirren vom vorigen Sommer die Mücken um meinen Kopf, meine Finger zerpflücken Akazienblätter, zerstreut:

Ein wenig, von Herzen. . . ist's wahr?

Wirklich, schon wieder ein Jahr?

 

Wirklich, schon wieder ein Jahr?

Die Tage hab ich nicht gezählt.

Noch raschelt verwelktes Laub unter meinen Schritten, im vorigen Herbst von der Hecke geschnitten.

Noch glimmt Erntefeuer im Feld,

Flammenlos, kaum wahrnehmbar.

Wirklich, schon wieder ein Jahr?

 

Bin immer noch, der ich war.

Erwachsener werd ich wohl nicht.

Ich hab einen Jahresring mehr wie die Bäume eine dickere Rinde, ein paar neue Träume und Lachfalten mehr im Gesicht.

Wirklich, schon wieder ein Jahr?

Wirklich, schon wieder ein Jahr?

 

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