Der Wahlkampf ist vorbei. Der Stress noch nicht und legt sich erst sehr langsam.

Angela Merkel, Guido Westerwelle und Jürgen Koppelin im Gespräch Welch ein großes Vertrauen der Wählerinnen und Wähler in die FDP. In meinem Wahlkreis Steinburg-Dithmarschen-Süd haben wir die größten Gewinne errungen: Erstimmen 12,8%. Das ist ein Zugewinn von 8,4%.
Zweitstimmen 17,5%. Das ist ein Zugewinn von 6,8%. In Schleswig-Holstein haben wir nun statt zwei nun vier Bundestagsabgeordnete und uns von 10,6% auf 16,3% gesteigert. In meiner Heimatstadt Bad Bramstedt gab es
16,8 % Erststimmen und 19,9 % Zweitstimmen für die FDP. Und zur Landtagswahl fast 15% für die FDP in Schleswig-Holstein. Statt vier stellen wir nun 15 Mandate.
Am Montag nach der Wahl dann gleich um 06.00Uhr auf dem Weg von Bad Bramstedt nach Berlin
Ich kann es kaum glauben, dass wir unsere Wahlziele erreicht haben: In Berlin und Kiel ist die FDP zukünftig in der Regierung.
Die Termine überschlagen sich für mich: 10.00Uhr Sitzung des FDP-Präsidiums und des Fraktionsvorstandes, ab 11.30Uhr tagt dann die neue Fraktion der FDP in einem viel zu kleinen Saal. Statt 61 sind wir nun 93 Abgeordnete. Viele neue Gesichter und ein nie dagewesenes Medienaufgebot. Dauerfrage der Journalisten:“ Herr Koppelin, wie viel Minister will die FDP jetzt stellen?“. Wie blöd muss man sein um wenige Stunden nach der Wahl eine solche Frage zu stellen.
Erst einmal zusammen mit Guido Westerwelle sich freuen über das Wahlergebnis. Es ist vor allem sein Verdienst. Hans-Dietrich Genscher sagt es dann auch in der Sitzung.
Dann zurück nach Kiel. Der Jubel der Delegierten auf dem Landeshauptausschuss will nicht enden. Nach 38 Jahren ist die FDP wieder Regierungspartei. Wolfgang Kubicki und ich als Landesvorsitzender werden beauftragt die Koalitionsgespräche mit der CDU zu führen.
Wolfgang Kubicki und ich haben zusammen unser langjähriges Ziel erreicht. Wenn die Medien wüssten, wie vertrauensvoll und eng wir zusammen gearbeitet haben würden sie nicht manche leichte hämische Bemerkung über mich als Landesvorsitzenden der FDP in Schleswig-Holstein machen. Doch damit muss man wohl leben.
Dann am Dienstag zurück nach Berlin. Wieder Sitzung der neuen Bundestagsfraktion. Guido Westerwelle wir einstimmig als Fraktionsvorsitzender bestätigt. Der Fraktionsvorstand bleibt kommissarisch im Amt. Damit bin ich auch in den nächsten Wochen einer der Geschäftsführer der Fraktion und dass ist mit viel Arbeit verbunden.
Erst jetzt wird mir bewusst, wie viele Kolleginnen und Kollegen der SPD und auch der CDU nicht wiedergewählt worden sind. Allein im Verteidigungsausschuss sind 9 SPD-Abgeordnete ausgeschieden, dabei auch die Vorsitzende Merten, die bestimmt mit ihrer Wiederwahl gerechnet hatte. Auf ihrer Homepage kann sie dies kaum verbergen. Der Berliner Abgeordnete Benneter hat schon keine Homepage mehr, man landet gleich beim SPD Landesverband. Benneter war immerhin Justiziar der SPD Fraktion.
Die neue FDP- Landtagsfraktion ist auf Sylt in Klausur gegangen. Im ständigen Kontakt mit Wolfgang Kubicki bereiten er und ich die Koalitionsgespräche vor.
Am Donnerstag dann endlich mal den Erfolg ein bisschen feiern. Zusammen mit Guido Westerwelle und vier Mitgliedern FDP-Präsidiums gehen wir essen, lachen viel und doch kommen immer wieder sehr ernste Gespräche.
Man spürt die kommende Verantwortung. Allein schon optisch dadurch, dass Guido Westerwelle plötzlich von mehr Sicherheitsbeamten begleitet wird.
Auch Klaus Wowereit und sein Lebenspartner Jan Kubicki, ein Verwandter von Wolfgang Kubicki, sind plötzlich an unserem Tisch. Wowereit feiert in dem Lokal seinen Geburtstag.
Alles ist plötzlich anders geworden. Selbst im Haushaltsausschuss, der zu einer Sondersitzung zusammen gekommen ist, um eine Staatshilfe für Hapag-Lloyd von 1,2 Milliarden zu beraten, hört man plötzlich auf die FDP. Die Vorlage der Regierung ist eine Katastrophe und so nicht hinnehmbar.
Unsere Anregungen und Veränderungen finden im Ausschuss plötzlich Gehör.
Wieso der Verdi-Chef Bsirske jetzt schon zum Protest gegen Schwarz-gelb aufruft bleibt sein Geheimnis. Es sind doch noch gar keine Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen bekannt, sie haben noch gar nicht begonnen.
Vielleicht sollte auch Bsirske erst mal abwarten und vor allem das Votum der Wähler respektieren.